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Hinterm Porsche zum Europarekord geradelt

Neil Campbell bei seinem Weltrekordversuch hinter einem Porsche Cayenne. Foto: Auto-Medienportal.Net/Porsche
Der niederländische Radrennfahrer Fred Rompelberg hält seit dem 3. Oktober 1995 den Geschwindigkeitsrekord auf dem Drahtesel. Genau 268,831 km/h schaffte er damals im Alter von fast 50 Jahren hinter einem Dragster-Spezialfahrzeug, das ihm auf dem Großen Salzsee von Bonneville im US-Bundesstaat Utah den nötigen Windschatten lieferte. Jetzt versuchte der Engländer Neil „Soupy“ Campbell ihm den Rekord abzujagen. Es reichte allerdings mit 240 km/h „nur“ für einen Europarekord. Aber er will weitermachen. Auch Rompelberg musste acht Jahre Anlauf nehmen bis er sein Ziel erreichte.


Campbells Rekordversuch fand am Elvington Airfield in Yorkshire statt, einem Flugplatz im Nordosten Englands, den die Royal Air Force vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis 1992 nutzte. 40 Jahre nachdem der Franzose Jean-Claude Rude versucht hatte, einen neuen Geschwindigkeitsrekord hinter einem Porsche 935 Turbo zu markieren, nutzte Neil Campbell diesmal den Windschatten eines Porsche Cayenne Turbo, um seinen eigenen Rekord von 217,7 km/h zu brechen, den er erst im Juni dieses Jahres aufgestellt hatte.

Unterstützt von einem Team Freiwilliger standen Campbell zwei speziell ausgewählte Fahrzeuge zur Verfügung. Das eine war sein Fahrrad, das vom Zweirad-Spezialisten Moss Bikes aus Cheshire so stabil entwickelt worden war, dass es selbst Geschwindigkeiten von theoretisch bis weit über 300 km/h aushalten würde. Es besteht aus einer Mischung aus Kohlefaser und Metallteilen aus dem 3-D-Drucker, verfügt über austauschbare Zahnkränze, einen Radstand, der wesentlich länger als bei einem herkömmlichen Fahrrad ist und speziell für diesen Zweck gefertigte Reifen.

Die zweite Maschine war ein Porsche Cayenne Turbo. Campbell benötigte nämlich ein Auto, das groß und stark genug war, sowohl dem Fahrrad als auch ihm mit einem speziellen Schild genügend Windschatten zu bieten, gleichzeitig aber sehr schnell beschleunigen und ein hohes Tempo erreichen konnte. Der Porsche Cayenne Turbo kann das. Mit seinem aufgeladenen 4,0-Liter-V8-Motor mit 550 PS (404 kW) und 770 Newtonmetern Drehmoment beschleunigt er von null auf 100 km/h in 4,1 Sekunden und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 286 km/h. Am Steuer saß Andy Frost, ein britischer Drag-Racing-Champion, der normalerweise einen 4000 PS (2942 kW) starken feuerspeiender Dragster namens „Red Victor“ bewegt.

Eine Abschlepp-Vorrichtung am Porsche spielte eine wichtige Rolle beim Rekordversuch. Sie diente dazu, Campbell samt Fahrrad bis auf rund 160 km/h zu ziehen, denn die nur 3,2 Kilometer lange Start- und Landebahn auf dem Flugplatz reichte nicht aus, dass der Mann im Sattel mit eigener Kraft das erforderliche Tempo erreichen konnte. So versteckte sich Campbell bis zu diesem Tempo hinter dem Porsche, löste erst dann die Verbindung zum Auto und trat in die Pedale als ginge es um sein Leben.

„Wir hatten zu wenig Platz. Deshalb hing alles davon ab, so schnell wie möglich auf Touren zu kommen“, berichtete Campbell hinterher. „Die Beschleunigung des Cayenne war unglaublich – es war, als ob man von einer Rakete gezogen würde. Ich radelte immer härter und härter, bevor ich bei über 160 km/h auf mich selbst gestellt war und alles hergab, was in mir steckte. Die ganze Zeit war der Cayenne direkt vor mir und sorgte für reine Luftwirbel – alles war total stabil. Jetzt ist der Weltrekord für mich in Reichweite.“

Während das von Campbell gefahrene Moss Bikes-Fahrrad bei weitem nicht dem Standard entsprach, war der Porsche Cayenne ein ganz konventioneller Serienwagen. Sowohl der Fahrer (wenn auch etwas müde) als auch das Auto gingen aus dem Rekordversuch unversehrt hervor. Campbell konzentriert sich nun darauf, den Weltrekord zu verbessern. Den Europarekord hat er ja jetzt mit 240,05 km/h.

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Erst vor einer Woche raste die 46-jährige dreifache Mutter Denise Mueller-Korenek mit 296 km/h über den Salzsee von Bonneville. Sie wurde zwei Kilometer hinter einem Dragster geschleppt, dann wurden die Leinen gelöst und sie legte die nächsten 3,5 Meilen mit eigener Kraft hinter einem riesigen Windschutz zurück. Für Neil Campbell und für Porsche gibt es also noch viel zu tun. (ampnet/hrr)

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Neil Campbell bei seinem Geschwindigkeits-Weltrekordversuch hinter einem Porsche Cayenne. Foto: Auto-Medienportal.Net/Porsche Neil Campbell bei seinem Geschwindigkeits-Weltrekordversuch hinter einem Porsche Cayenne. Foto: Auto-Medienportal.Net/Porsche Neil Campbell bei seinem Geschwindigkeits-Weltrekordversuch hinter einem Porsche Cayenne. Foto: Auto-Medienportal.Net/Porsche Neil Campbell bei seinem Geschwindigkeits-Weltrekordversuch hinter einem Porsche Cayenne. Foto: Auto-Medienportal.Net/Porsche

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